WERKBESCHREIBUNG DER SKULPTUR “DAS TOR DES WINDES”ZENTRUM FÜR UMWELTSCHUTZ, LAUINGEN a.d. D.
Der Baugrund des
Zentrums für Umweltschutz in Lauingen birgt römische Fundamente, die Römersiedlung Phoebiana. Damit fußt ein dem ökologischen Gedanken dieses Jahrhunderts verpflichtetes Gebäude unmittelbar auf historischer Vergangenheit. Und wie
das römische Gesetz ordnend in die Gesellschaft eingreift, sollen die von dem Zentrum für Umweltschutz ausgehenden Impulse ordnend in den Umgang der Gesellschaft mit der Natur eingreifen.
Die gestalterische Verbindung wird erreicht durch die Aufnahme der archäologischen Grundrissform des ehemaligen römischen Osttores in einem Torbogen. Die in der Erde liegenden, nicht sichtbaren
Mauerfragmente sind ein Symbol der Vergangenheit und werden durch Übertragung in eine zweite Ebene neu freigelegt. Die alte Form und ihre
heutige Spiegelung beschwören ein magnetisches Kraftfeld. Die römische Anlage im
Untergrund der Erde heftet sich an die Wolken, in ihrer gemeinsamen Ausstrahlung bündeln sich die alten Zeitspuren zu einer neuen Symbolik in die Gegenwart. Mit Beginn jeden Tages, mit dem Sonnenaufgang zu jeder Jahreszeit wandert
der langgezogene Schatten über das unsichtbare Zeichen der Vergangenheit zur entgegengesetzten Seite in den Abend. Auf beiden Seiten der Skulptur wird der Satz aus der berühmten Mahnrede des Häuptlings Seattle an den Präsidenten
der Vereinigten Staaten in vierzehn verschiedenen Sprachen eingeprägt: “WIR SIND EIN TEIL DER ERDE UND SIE IST EIN TEIL VON UNS”. Nachdrücklich wird damit diese eindringliche Mahnung für einen anderen Umgang mit der Natur den Raum
zwischen den Gebäuden überspannen.
Das Verankern des zugedeckten, archivierten Grundrisses des römischen Osttores in einer zweiten Ebene spiegelt das Nicht-Sichtbare über einem halbovalen
Bogen und erhält dadurch etwas Magisches und Geheimnisvolles. Damit soll Vergangenheit sichtbar gemacht werden und eine Brücke schlagen zwischen Zeiten und Räumen, Natur und Technik, Erde und Himmel. Vielleicht rettet uns der
bewußtere Umgang mit der Natur, mit der Technik, mit der Erde, dem Wasser, der Luft und dem Wind. Dies wird über unsere Zukunft entscheiden. Das Zentrum für Umweltschutz in Lauingen steht für diese unerlässliche Aufgabe. Der immer
noch zuwenig gehörte Aufschrei aus dem Jahre 1855 und seine Einprägung in den gespiegelten römischen Grundriss, der wiederum die Verbindung zu den Wurzeln unseres Rechtssystems herstellt, sollen deutlich machen, dass die Worte des
Indianerhäuptlings für uns alle Gesetzeskraft erlangen müssen.