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VOM MOOSGEIST ZUR INSEL FÜR DIE ZEIT * Die Idee eines Erdzeichens hatte jedoch in den Köpfen der Verantwortlichen am Flughafen München
gezündet. 1991- ein erneuter Anlauf mit Karl Schlamminger. Mein Vorschlag entstand nun aus dem Zeichen der Acht, dem Zeichen für Unendlichkeit. Mit einem Holzkamm formte ich erste Versuche aus Wällen. Ein Furchensymbol, das die
eigenständige und rhythmische Kraft der Erde wiedergibt und einen bewussten Gegensatz zur Technik des Flughafens bildet. Parallel angeordnete Kieswälle, die geballten Stimmen der Steine, kreisen um zwei feste Punkte und verfließen
in einem ausufernden Band. Die Furchenanordnung hat ihren eigenen Takt. Die tiefen Furchen und Wälle werden das Fließen der Zeit erwidern: Langsam wanderndes Spiel von Licht und Schatten bei Sonne, bei Nebel verschwimmender Raum,
weiche, stille Linien im Schnee, in den Furchensohlen wird Regenwasser stehen und die fliehenden Wolken spiegeln. Es ist ein Vorort für Geduld, ein Ort ohne praktischen Zweck, ein poetischer Raum. Dieser Ort, zu dem nur Licht und
Schatten Zugang haben - und der befruchtende Wind - soll eine mahnende Antwort auf die Funktionalität der Technik sein:EINE INSEL FÜR DIE ZEIT.
Christoph Vitali in seiner Einführungsrede zur Fertigstellung des Erdzeichens: ... Der Eingriff ist also ein harmonisierender, beruhigender, der die gemarterte, der menschlichen
Geschäftigkeit geopferte Natur befrieden will. Gleichzeitig will das die Menschen, die es vom Flugzeug aus betrachten, natürlich auch nachdenklich machen und verstören. Sie sollen sich fragen, ob ihre Umtriebigkeit wirklich
sinnvoll ist, ihrem Leben neue Möglichkeiten eröffnet, ihnen neue Kräfte und Energien zuführt. So ist das Erdzeichen EINE INSEL FÜR DIE ZEIT, wie es seine Schöpfer formuliert haben, und inmitten der Hektik des Großflughafens eine
Ruheinsel in der Zeit. Seine parallelen Erdfurchen erzeugen ein Kraftfeld bei Tag und Nacht, Sonne und Regen, Sommer und Winter. Wie ein großer Notenschlüssel liegt es in der Landschaft und versucht, deren leisere Töne gegen den
krachenden Rückstoß aus den Düsentriebwerken zu behaupten, sie zum Klingen und Schwingen zu bringen ... Das Erdzeichen ist geformt aus dem vorgefundenen
Kies. Der Humus wurde abgeschoben und seitlich auf der Fläche wieder angelagert. Zur Erhaltung des biologischen Gleichgewichtes wurde dem Baugrund nichts weggenommen und nichts hinzugefügt, lediglich umgeschichtet. Das Umfeld des
Erdzeichens erhält jedes Jahr durch verschiedene Bepflanzung ein neues Farbkleid und mit dem Wechsel der Jahreszeiten wird sich sein Gesicht dauernd verändern. Das Erdzeichen EINE INSEL FÜR
DIE ZEIT wurde am 17. Mai 1995 – mit einer nächtlichen Fertigstellungsfeier und dem spektakulären Zeit-Tanz von Howard Fine - dem Wind und der Zeit übergeben. Gesamtgröße des Grundstückes
circa 12 Hektar. Das Erdzeichen hat eine Größe von 270 x 170 Meter, eine Furchentiefe von 3.40 Meter. Der Böschungswinkel der Furchen beträgt 40 Grad. Die Mittelpunkte des Erdzeichens liegen in Nord - Süd - Richtung. * in Zusammenarbeit mir Karl Schlamminger |